Eine kleine Kulturgeschichte der bei Just verwendeten Heilkräuter

 

Arganbaum

Als Überlebenskünstler der marokkanischen Wüste sammelt der Arganbaum das Wasser in seinen Blättern, die damit zur Delikatesse für durstige Ziegen werden, die dafür sogar in den Baum klettern.

Die olivenähnlichen gelben Früchte des bis zu 200 Jahre alt werdenden Baumes reifen 2 Jahre. Die  im Inneren des Fruchtfleisches befindliche Nuss enthält ein bis drei tropfenförmige Samen bzw. Kerne, reich an wertvollem Öl.

Noch heute wird das Arganöl in Marokko von den Berberinnen durch ein altes Verfahren gewonnen: Die recht harten Nüsse werden mit einem Stein aufgeschlagen, die freigelegten Kerne über einem offenen Feuer geröstet und in einer Handsteinmühle zu einer breiartigen Masse zermahlen. Zusammen mit Wasser entsteht aus dem Brei eine Paste, aus der die Frauen mit der Hand das Arganöl pressen. Für einen Liter Arganöl werden 20 kg Kerne benötigt.

Das Öl wird zur Herstellung von Kosmetika und Arzneimitteln verwendet, aber auch in der Gastronomie geschätzt. Die Berber Marokkos verwenden es seit Jahrhunderten wegen seiner einmaligen Eigenschaften, die besser als die des Olivenöls sein sollen. Natürliche Antioxidanzien im Arganöl üben durch die Vernichtung freier Radikale eine vielfältige positive Wirkung auf Haut und Gesundheit, so kann es bei richtiger Anwendung den Heilungsprozess nach Verbrennungen beschleunigen sowie Rötungen und Neurodermitis lindern.

 

Arnika

ist wie der Name schon sagt, eine typische Gebirgspflanze und blüht – leider nur noch in kleinen Beständen – in den Alpen auf 800 bis 1500 Metern Höhe.
Sie wird auch Bergdotterblume oder Bergwohlverleih genannt.

Arnika gehört zu den alten Zauberpflanzen; besonders im Kult rund um die Sommersonnenwende hat die gelb blühende Pflanze immer eine große Rolle gespielt. Am Vorabend des Johannistages (24. Juni) steckten die Bauern oft Arnikasträuße in die Ecken ihrer Getreidefelder; das sollte die Korndämonen davon abhalten, die Ernte zu vernichten.
Legte man die Pflanze unter das Dach oder hängte man sie in der Stube auf, sollte das Haus vor einem Blitzschlag geschützt sein. Hatte man diese Vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen, so gab es bei einem heraufziehenden Unwetter dennoch eine Chance: das Räuchern mit Arnika.

In Kräuterbüchern wird bereits seit Jahrhunderten über die heilenden Wirkungen der Arnika berichtet. Insbesondere auf dem Land und in den Bergdörfern ist die Arnika seit jeher als hervorragendes Heilmittel bei Prellungen, Blutergüssen oder Verstauchungen bekannt. Auch Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) zählte die Bergpflanzen zu seinen absoluten Lieblingen: „Arnika ist nicht mit Gold zu bezahlen“, soll er gesagt haben.

Heute ist Arnika für viele Menschen nicht mehr wegzudenken – ob gegen rheumatische Beschwerden, Durchblutungsstörungen, Entzündungen, schwache Venen oder nur müde Beine.


Artischocke

Der Name der Pflanze geht nach Angaben der Wissenschaftler zurück auf das arabische alharsuf, was so viel bedeutet wie distelartige Pflanze oder Erddistel. Unter der lateinischen Bezeichnung Cynara beschrieb sie ein römischer Gelehrter als Delikatesse. Als solche war die Artischocke aber lange Zeit nur den wohlhabenden Kreisen vorbehalten.

Aus den Blättern der Artischocke wird neben Arznei auch Magenbitter gewonnen, der die Produktion der Gallensäure anregt und die Fettverdauung fördert. Außerdem sind Fälle beobachtet worden, in denen bei Patienten das Cholesterin um durchschnittlich 10 bis 15 Prozent gesunken ist nach der regelmäßigen Einnahme von Artischockensaft.


Edelweiß

Das Edelweiß bevorzugt felsige Kalksteinumgebung auf Höhenlagen zwischen 1800 und 3000 Meter. Man findet es in mittel- und südeuropäischen Gebirgen wie Pyrenäen, Alpen und Balkan. Die nächsten Verwandten des europäischen Edelweißes finden sich im Tibet, im Himalaja, in Japan, Korea, etc.

In Österreich wurde das Edelweiß schon 1886 unter Naturschutz gestellt.

Die österreichische Post hat am 19. Juli 2005 als erste gestickte Briefmarke Österreichs "Edelweiß", auf 400.000 Stück limitiert, herausgebracht. Die Briefmarke hat einen Nennwert von 375 Cent, besteht aus Stoff und zeigt auf grünem, kurz gefransten Untergrund ein mit weißem Faden gesticktes Edelweiß. Früher wurde Edelweiss auch als Heilkraut verwendet, wurde mit Milch und Honig gekocht gegen Bauchschmerzen verwendet. Daher auch der bayrische Ausdruck „Bauchwehbleaml“. Die Pflanze wurde außerdem für Liebeszauber verwendet.

Gelegentlich finden sich abnorm große Blütensterne (maximal 6 bis 12 cm Durchmesser), die in der Sagenwelt als zauberkräftige »Edelweißkönige« erscheinen.


Eukalyptus

Australiens Ureinwohner, die Aborigines, verwenden Eukalyptusblätter traditionell gegen Fieber, Entzündungen, Verletzungen und vorbeugend gegen Krebserkrankungen. Im Alten China galt Eukalyptus als Mittel gegen Lungentuberkulose und gegen Asthma. Die Europäer entdeckten den Eukalyptusbaum erst um 1790 für sich, während der ersten australischen Expeditionen mit Kapitän James Cook.

Eukalyptusbäume haben eine verblüffende Strategie im Umgang mit Feuer entwickelt, um in den von Buschbränden gezeichneten australischen Landschaften überleben zu können. Tief im Stammholz sowie im Wurzelbereich sind Keimlinge verborgen, die erst bei Hitze auskeimen. Sie sind über Stränge mit der Außenwelt verbunden, die quer durch das Holz zur Rindenoberfläche führen. Hitze aktiviert pflanzliche Hormone in diesen Strängen, die die Keimlinge aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Ist das Feuer erloschen, sprießen tief aus dem Kernholz junge Triebe.

Das ätherische Öl der Eukalyptusblätter hemmt das Wachstum von Bakterien und Viren, verflüssigt zähen Schleim, wirkt leicht krampflösend, desodoriert und kühlt.


Gelber Enzian

Dem illyrischen König Gentius (gest. 167 v.Chr.) der den Enzian gegen die Pest empfohlen haben soll, verdankt der gelbe Enzian seinen Namen.

Der in ihm enthaltene Bitterstoff Amarogentin ist der bitterste bekannte Naturstoff. Bergbauern der Alpenregionen legten sich gegen geschwächte, schwitzende Füße Enzianwurzel in die Schuhe. In der Tiermedizin wird der Gelbe Enzian auch Fresslust-Pulver genannt. Der Name spricht wohl für sich. Auch in der Mythologie spielte die Enzianwurzel eine große Rolle. Sie wurde im Mittelalter für zahlreiche Beschwörungen und Rituale verwendet und oft anstelle der damals sehr teuren Alraune eingesetzt. Gemeinhin gilt der Gelbe Enzian als Symbol für Kraft und Stärke. So heißt es in Tirol: "Wia die Enzianwurz is koani so stark."

Kamille


Bereits seit der jüngeren Steinzeit ist die Kamille eine Begleiterin unserer Kultur.
Der griechische Arzt Dioscurides schrieb der Kamille im ersten Jahrhundert nach Christus eine ganze Reihe von Heilwirkungen zu: "Sie treibt den Urin und den Stein, hilft bei der Geburt, bei Blähungen und Leberleiden sowie bei Blasenentzündungen".

Die Germanen weihten die Pflanze Baldur, dem Gott des Lichts und der Fruchtbarkeit; er verkörpert alles Gute, Gerechte und Lichte. Noch heute ist der Glaube verbreitet, dass Kamille, die an seinem Festtag - dem Johannistag (24. Juni) - gesammelt wird, besonders heilkräftig sein soll.

Namen wie Mutterkraut oder Mägdeblümle sagen bereits viel über die große Bedeutung der Kamille in der volkstümlichen Frauenheilkunde aus; sie war enorm wichtig bei der Behandlung von Wöchnerinnen und Säuglingen.

Die gründliche Erforschung der Wirkstoffe rechtfertigt ihre hohe Wertschätzung seit der Antike: Der Pflanzenextrakt der Kamille enthält krampflösende und antibakterielle Stoffe, die messbare Wirkung bei Gesundheitsbeschwerden zeigen.


Hamamelis


Der Name Hamamelis setzt sich aus dem griechischen hama (gleichzeitig) und melon (Apfel, Frucht) zusammen, da der Baum im gleichen Jahre vor dem Blühen Früchte trägt.

Aus dem gleichen Grunde wurde auch die Bezeichnung "Zaubernuss" geprägt.

Die Heilkraft des Hamamelis - Strauches wurde von den Indianern Nordamerikas sehr geschätzt , so setzten sie die Rinde und Blätter der Hamamelis gegen Hautleiden und Durchfall ein.

Nach Europa gelangte der Strauch erst im 18. Jh. und zwar erst als Ziergewächs. Gegabelte Zweige wurden als Wünschelrute verwendet, unter anderem zum Aufspüren von Wasseradern. Heutzutage ist die adstringierende Wirkung der Hamamelis durch wissenschaftliche Studien belegt und wird deshalb vorwiegend äußerlich gegen Hautprobleme angewendet

Hopfen

Gemessen an der Tatsache, dass die meisten europäischen Arzneipflanzen bereits seit mehr als 2000 Jahren in Gebrauch sind, ist der Hopfen eine verhältnismäßig junge Arzneipflanze.
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Die antike Medizin hat ihn jedenfalls nicht verwendet. In der frühmittelalterlichen Klosterkultur gab es zwar bereits Hopfengärten, aber die Mönche und Nonnen nutzten das Rankengewächs nicht medizinisch, sondern zur Konservierung von Getränken. Das gehopfte Bier ist also eine Erfindung der Mönche.

Hildegard von Bingen und Albertus Magnus deuteten aber bereits an, dass der Hopfen müde macht: Die Äbtissin meinte, er erzeuge „Melancholie", und der gelehrte Regensburger Bischof schrieb, dass Hopfen einen schweren Kopf mache.
Dieses Wissen ging später weitgehend verloren. So wurde erst im ausgehenden 18. Jahrhundert die schlaffördernde Wirkung von Hopfen wieder zu entdeckt. Der englische König Georg III. (1738–1820, der zeitlebens von schweren gesundheitlichen Problemen geplagt wurde, soll zumindest seine Schlafstörung durch die Verwendung von Hopfenkissen in den Griff bekommen haben. Für Christof Wilhelm Hufeland (1762–1836), einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit, war der Hopfen ein Bittermittel für die Verdauung und ein Nervenmittel zur Beruhigung.
Im 20. Jahrhundert etablierte sich der Hopfen dann als pflanzliches Beruhigungsmittel, vor allem in Verbindung mit der Baldrianwurzel.

 

Johanniskraut

Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird auch Johannisblut, Sonnwendkraut, Tausendlöcherkraut, Jageteufel, Gottesgnadenkraut oder Wundkraut bezeichnet.

Im Mittelalter wurde Johanniskraut als Schutz gegen bösen Zauber, gegen Gewitter und gegen den Teufel selbst eingesetzt.

Es wurde daher auch als Fuga Daemonium - Gespensterkraut - bezeichnet.

Eine alte Legende erzählt, dass der Teufel - wütend über die heilende und schützende Wirkung - mit einer Nadel bewaffnet über das Johanniskraut herfiel und es Tausend Mal durchbohrte. Hält man das Kraut gegen das Licht, so kann man diese "Einstichstellen" als dunkle Punkte erkennen.

Die dunklen Punkte hat das Johanniskraut wirklich, sie sind jedoch kein Werk des Teufels, sondern Öldrüsen. Diesen "Einstichstellen" verdankt das Johanniskraut seinen lateinischen Namen "perforatum".

Die ätherischen Öle der Pflanze wirken beruhigend. und erhöhen zudem den Anteil von Serotonin, unserem "Glückshormon"; dadurch vertreibt das Kraut Depressionen und steigert das Wohlbefinden.

Zerdrückt man die Knospen des Johanniskrauts, quillt ein roter Saft heraus. Früher sammelten Mädchen vor der Johannisnacht einige Knospen des Krauts und füllten sie in einen Leinensack, den sie dann drückten. Dazu gab es einen Reim:

Ist mein Schatz gut, kommt rotes Blut.
Ist er mir gram, gibt's nur Scham [Schaum].

Jojoba

Den Namen "Jojoba" leiteten die Spanier aus dem Wort "Jojowi" aus der Sprache der Papago-Indianer ab.

Das aus den Nüssen gewonnene Jojobaöl wurde von verschiedenen Indianervölkern vielseitig eingesetzt: Die Apachen verwendeten es zur Schmerzbehandlung, Papago-Indianer kurierten mit dem Öl unter anderem Magenerkrankungen. Eine große Rolle spielte Jojobaöl bei der Haut- und Haarpflege. Jojobanüsse wurden roh oder geröstet zu verschiedenen Speisen und zermahlen zu Getränken bereitet.

Erst im 18. Jahrhundert gelangte Jojoba nach Europa. Durch seine spezielle, wachsartige Struktur kann Jojobaöl nicht oxidieren und somit deutlich schwerer ranzig werden als andere Öle. Es verträgt Temperaturen bis zu 300 °C. Aber Jojobaöl kann noch mehr: Es ersetzt Walrat - ein aus Tierschutzgründen mittlerweile verbotenes Wachs, das aus Pottwalköpfen gewonnen und als Schmiermittel für Präzisionsinstrumente sowie als Rohstoff in der chemischen, pharmazeutischen und kosmetischen Industrie verwendet wurde.



Kampfer

Der Name Kampfer leitet sich vom indonesischen "kapur" = Kalk ab und wurde über das arabische Wort "Kâfur" zu Kampfer. Kampfer ist ein uraltes chinesisches Heilmittel, das die Araber etwa im 11. Jahrhundert nach Europa mitbrachten. Er galt als überaus kostbar und wurde mit Gold aufgewogen. Von Fürst zu Fürst wurde er als Tribut oder Geschenk gesandt. Im Koran preist man ihn als Kühlungsmittel in den Getränken der Seligen im Paradies. In Indien ist der Kampfer Shiva geweiht und wird zu seinen Ehren bei vielen Gelegenheiten verräuchert.

Mit dem stark riechenden Holz lassen sich Insekten fernhalten. Aus diesem Grund wurden Wäschetruhen oder Bücherschränke aus Kampferholz gebaut. Früher fertigte man auch Seemannskisten aus dem leichten Holz oder kleidete sie zumindest damit aus, da dem Holz konservierende Eigenschaften nachgesagt wurden.


Lavendel

Innerlich als Herz- oder Hustenmittel wird Kampfer nur noch selten eingesetzt. Vermehrt Anwendung findet er äußerlich in Form von Kampferspiritus, Salben oder Ölen bei rheumatischen Erkrankungen und Muskelschmerzen, in der Tiermedizin auch bei Zerrungen und Verstauchungen.

Der Echte Lavendel wurde auf Grund seiner nervenberuhigenden Wirkung zur Heilpflanze des Jahres 2008 gewählt.
 
Seit alters her sind die verschiedenen Lavendelarten wegen ihres frischen, würzigen Duftes beliebt und bekannt. Den Griechen und Römern war er unerlässlich für das tägliche Bad, auch wurde Wein damit gewürzt. Hildegard von Bingen empfahl ihn als Mittel gegen Kopfläuse. Der Arzt und Chemiker Paracelsus wendete den Lavendel unter anderem als Räucherwerk an. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Lavendel als wirkungsvoller Schutz vor Pest und Cholera gepriesen. Aus dieser Zeit stammt auch der „Vier-Diebe-Essig“, eine lavendelhaltige Essenz, mit der sich die Diebe einrieben, bevor sie die Häuser der Pestopfer betraten und ausraubten. Während des Ersten Weltkrieges verwendete man Lavendelöl zur Wunddesinfektion.

Vielfach wird angenommen, dass sich der botanische Name Lavandula vom lateinischen „lavare“ – waschen – ableitet. Ebenso denkbar ist aber „levare“, was erleichtern oder auch abwehren bedeutet. Dies würde sowohl zur nervenberuhigenden und krampflösenden wie auch zur zugesprochenen geistervertreibenden Wirkung des Lavendels passen. Als Lavandula ist die Pflanze erst seit dem Hochmittelalter bekannt, in der Antike gab es diesen Namen nicht. Sprachforscher gehen davon aus, dass vielmehr mit „Nardus spicata“ Lavendel- und eventuell auch Rosmarinessenzen und -salben gemeint waren. Noch heute wird Lavendelöl teils auch als Spikarden- oder Nardenöl verkauft.

Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die beruhigende und entspannende Wirkung von Echtem Lavendel und Lavendelöl. Außerdem wirkt Lavendel entkrampfend, wundheilend, leicht antidepressiv, schmerzlindernd, entzündungshemmend und desinfizierend.


Linden


wachsen in unseren Breitengraden an den verschiedensten Plätzen. Sie sind Mittelpunkt uriger Gaststätten-Gärten oder - auf freiem Feld stehend - Treffpunkt für junge Liebespaare. In früheren Jahrhunderten war die Linde oft Mittelpunkt des Geschehens in den Dörfern und Städten (Dorflinde, Gerichtslinde). Der hohe gesellschaftliche Wert der Linde zeigt sich auch in vielen Volksliedern, die sie besingen - „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum...“


Malve

Schon in der Antike war die Malve als Heil-, Nutz- und Gemüsepflanze (Käsepappel - weil das Innere der Fruchtkapsel wie ein runder Käseleib aussieht) in Gebrauch.

Die Malve wurde verräuchert, um Fruchtbarkeit zu erlangen, gesunde Kinder zu gebären und als Schutz vor Krankheit - gut geeignet in einer Räuchermischung mit Johanniskraut, Eisenkraut, Rose, Angelika, Kalmus, Mariendistel, Linde, Sonnenhut, Wegwarte.

 

Xenokrates, ein Arzt des Kaisers Tiberius behauptete, daß Malvensamen über die Genitalien gestreut, die Lust des Mannes ins Unendliche steigere ("Schwellkraut").Die Malvensamen galten auch - gegessen -  bei Frauen als ein sehr starkes Aphrodisiakum.  Der Volksname "Pissblume" hat nichts mit dem angeblichen Gestank zu tun. Diese Bezeichnung bezieht sich auf ihre Funktion als "Schwangerschaftstest" alter Zeiten. Eine Frau urinierte auf die Malve. Verdorrte diese nach einigen Tagen, war sie nicht schwanger, blieb sie grün, waren Mutterfreuden zu erwarten!


Mandel


Die Mandel wuchs schon in der Steinzeit und wurde vermutlich ab der Bronzezeit bewusst kultiviert. Wahrscheinlich ist die Mandel das älteste Kulturobst der Alten Welt, dessen Erfolgsgeschichte bis in die heutige Zeit reicht.

In den mediterranen Ländern gilt er als Symbol der Wachsamkeit und der Wiedergeburt, weil er bereits im Januar blüht. Der griechischen Sage nach soll die Mandel aus einem Blutstropfen der griechischen Göttin Kybele entstanden sein, der "Mutter der Götter", die in Kleinasien ursprünglich die Berg- und Fruchtbarkeitsgöttin war. In anderen Darstellungen soll der Mandelbaum aus der männlichen Hälfte eines zwittrigen, von Zeus erzeugten Wesens entstanden sein.

Im marokkanischen Mandelbaum-Märchen hatte die schöne Prinzessin Hatim ein so gutes Herz, dass sie unter den Ärmsten des Landes Geld aus der Schatulle ihres Vaters verteilte. Der König hatte kein Verständnis für das Verhalten seiner Tochter, bezichtigte sie des Diebstahls und ließ sie hinrichten. Allah verstand Hatims Handeln und verwandelte die tote Prinzessin in einen Mandelbaum, der jahrein jahraus den Menschen des Landes Mandeln schenkte.

Die Bibel erwähnt die Mandel mehrfach, der sechsarmige Leuchter des alten Testamentes ist einem Mandelbaum nachgebildet.

Später sah das Christentum in der Mandel ein Symbol der unbefleckten Empfängnis: "Christus wurde gezeugt in Marien, wie der Mandelkern sich in der unverletzt bleibenden Mandel bildet" (Konrad von Würzburg, 13. Jahrhundert).

Vielleicht am meisten Bekanntheit hat die Mandel in Form des Marzipans erlangt, das ursprünglich aus dem Orient stammt und traditionell aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser besteht.


Manuka

Die Ureinwohner Neuseelands, die Maoris, überliefern bereits seit langer Zeit das Wissen um die Heilwirkung des Manukastrauches. Die neuseeländische Regierung hat diesen Wissensschatz in jüngerer Zeit für sich entdeckt und subventioniert seitdem die Vermarktung des Manukaöls.

Kapitän James Cook lernte Manuka 1769 bei seiner Neuseeland-Expedition kennen. Damals bereitete seine Besatzung die frischen Blätter als Tee zu, weshalb Manuka auch Teebaum genannt wird. Manuka ist jedoch nicht mit dem australischen Teebaum Melaleuca alternifolia zu verwechseln, dessen Öl ebenfalls vielseitige Verwendung findet.
Das dickflüssige gelbliche Manukaöl mit dem markanten Geruch hat eine starke Wirkung gegen Viren, Bakterien und Pilze und wirkt abschwellend. Es findet Verwendung bei der Hautdesinfektion, bei Hautekzemen, Juckreiz, Candida, Fußpilz und Akne und hilft bei Halsschmerzen, Nebenhöhlen­entzündungen und Bronchitis.



Melisse

Die Melisse ist eines der ältesten bekannten Heilkräuter. In den meisten Kräutergärten ist die Pflanze auch heute noch reichlich vorhanden. Wegen ihres zitronenartigen Geruchs wird die Pflanze meist „Zitronenmelisse“ genannt. Aber auch andere volkstümliche Namen wie Nervenkräutel, Frauenwohl, Herztrost weisen auf die vielgestaltige Verwendung hin.

Wie viele andere Heilpflanzen die Melisse aus dem warmen Süden eingeführt worden, wild kommt sie im östlichen Mittelmeergebiet vor.

Während der Antike war Melisse nicht nur als Heilpflanze gegen Herzkrankheiten, Tierbisse und Milzleiden geschätzt, sondern auch als Bienenfutter. „Den Bienen sind keine Blüten lieber als die Melisse“, schrieb Plinius vor 2000 Jahren. Karl der Große (747–814) ordnete an, dass Melisse in den Staatsgütern anzubauen sei. Hildegard von Bingen (1098–1179) schrieb: „Die Melisse ist warm. Ein Mensch, der sie isst, lacht gerne, weil ihre Wärme die Milz beeinflusst und daher das Herz erfreut wird.“ Auch Paracelsus (1493–1541) wandte die Pflanze im Sinne der Signaturenlehre wegen ihrer herzförmigen Blätter bei Herzkrankheiten an: „Melisse ist von allen Dingen, die die Erde hervorbringt, das beste Kraut für das Herz.“ Außerdem verwendete er die Melisse zur Heilung von „Kontracturen und Lähme“, gegen Podagra, Lepra, Asthma und zur „Erneuerung der Kräfte des Körpers.“

 

Mäusedorn

Die älteste Dokumentation über die Heilwirkung der unterirdischen Teile des Mäusedorn ist über 2000 Jahre alt. Um 300 vor Christus erwähnte der Aristoteles-Schüler Theophrastos den Ruscus.

Um 50 nach Christus hat der kleinasiatische Arzt Dioskurides den ersten überlieferten ausführlichen Bericht über die Arzneiwirkung der Ruscusart verfasst. Seither tauchen die medizinischen Empfehlungen in allen wichtigen medizinischen Standardwerken auf. So gehörte der Ruscus zum Arzneischatz der mittelalterlichen Klostermedizin, die auch für die heutige Zeit noch viele Gesundheitslösungen anbietet.
Einige Indikationen weisen bereits auf die gewebestärkende Kraft des Mäusedorns hin. Der aus Pergamon stammende Arzt Galen (130 bis 200 nach Christus) empfiehlt ihn unter anderem zur äußerlichen Anwendung gegen „fressende Geschwüre“.
Im 17. und 18. Jahrhundert galt der Mäusedorn als wirksames Medikament gegen Wassersucht. Vermutlich liegt diese Empfehlung darin begründet, dass sich Ödeme bei regelmäßiger Einnahme von Ruscus zurückbilden.
Inzwischen erlebt der Ruscus sein Comeback als Heilpflanze in der Venentherapie.

 

Pfefferminze

Der Artname  piperita bezieht sich auf den pfefferartig scharfen Geschmack der Pfefferminze.

Mentha hingegen geht auf Minthe zurück, eine Nymphe, die es dem griechischen Unterweltsgott Hades angetan hatte. Seiner Frau Persephone gefiel das gar nicht, sodass sie kurzentschlossen Minthe in eine wohlriechende Pflanze verwandelte: die Pfefferminze.

Im Volksglauben hieß es, wer an Johanni (24. Juni) eine blühende Minze finde, empfinge ewiges Glück. Und Minze in den Garten zu pflanzen, solle Reichtum bringen. In Frankreich sagte man, ein Strauß aus Minze und Johanniskraut schütze vor bösen Geistern und Zauberern. Und in Italien galt die Minze als bewährtes Mittel, um Kinder und Seidenraupen vor Behexung und Krankheit zu schützen.

Die englischen Seefahrer hielten bei langen Seefahrten ihr Trinkwasser durch Minzeblätter länger frisch.

Was heute als Pfefferminze fast in aller Munde gekaut oder gelutscht oder als Tee getrunken wird, ist eigentlich eine Laune der Natur. Unsere medizinisch verwendete Pfefferminze entstand im Jahre 1696 mitten in einem Feld der Pfefferminz-Arten Mentha spicata und Mentha aquatica als sogenannter Bastard: einer Kreuzung zwischen den beiden genannten Arten. Aufmerksame Beobachter entdeckten den Fremdling, befanden ihn für gut und kultivierten ihn fortan weiter.



Ringelblume

Namensgeber der Ringelblume sind ihre Samen, die sich nach dem Abwelken der Blüte einringeln. Die Ringelblume ist aber - wie sich das für ein altes Hausmittel gehört - unter vielen Synonymen bekannt: So wird sie beispielsweise Goldblume, Regenblume, Ringelrose, aber auch Stinkblume oder Totenblume genannt.

Der Beiname Totenblume klingt nicht gerade schmeichelhaft, kommt aber nur daher, dass die Ringelblume früher gerne auf Gräber gepflanzt wurde.

Woher der Name Stinkblume kommt, ist auch nicht schwer heraus zu finden: Eine Brise genügt!

Und die Regenblume? Die Ringelblume ist ein richtiger kleiner Wetterfrosch. Wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, tut sie das einzige, was man in solchen Fällen vernünftiger Weise tun kann: Sie bleibt im Bett und hält die Blüten fest verschlossen.

Als Liebesorakel kam die Ringelblume schon früh zum Einsatz: Bei dem Spruch "Er liebt mich, er liebt mich nicht" rissen die Mädchen der Blume die Ringelblätter einzeln aus.

Damit aber noch nicht genug: Bei den Slawen gräbt ein Mädchen die Erde von den Fußstapfen ihres Geliebten aus und tut sie in einen Blumentopf. Dann pflanzt sie eine Ringelblume, eine Pflanze, die als unverwelklich gilt, hinein. Und wie ihre goldene Blüte wächst und blüht und niemals welkt, so soll die Liebe ihres Freundes wachsen, blühen und niemals verwelken.

Auch bei den Azteken war die Ringelblume bereits bekannt und der Liebesgöttin Xochiquetzal geweiht.

Vor allem äußerlich angewandt ist die Ringelblume ein altbewährtes Hausmittelchen, das als Creme bei leichten Verbrennungen oder Erfrierungen, Quetschungen und schlecht heilenden Wunden zum Einsatz kommt.

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Rosmarin

Als Gott Adam und Eva aus dem Paradies vertrieb, durften sie, so erzählt die Legende, einen Strauch Rosmarin mitnehmen. In alten Zeiten als Allheilmittel verwendet, ist der Rosmarin heute vor allem wegen seiner belebenden Wirkung und seines angenehmen Duftes beliebt.
In der christlichen Mythologie wird der Rosmarin mit Reinheit in Verbindung gebracht. Maria, so heißt es, breitete ihren Mantel während der Flucht nach Ägypten über diesen Strauch. Als sie ihren Mantel wieder aufhob, waren die Blüten des Rosmarins nicht mehr weiß - Maria zu Ehren hatte der Strauch die Farbe ihres Mantels angenommen und blühte von nun an blau. So erhielt die Pflanze ihren volkstümlichen Namen Marienkraut.

Der Name Rosmarin ist jedoch älter als die christlichen Legenden: Ursprünglich stammt der Name vom lateinischen Ros marinus, was so viel bedeutet wie Tau des Meeres. Die Pflanze blühte an der Mittelmeerküste.

Angeblich konnten die Seefahrer den Rosmarin riechen, bevor sie die Küste sahen, und wussten so, dass es nicht mehr weit bis nach Hause war.

Griechische Gelehrte glaubten außerdem, dass Rosmarin nicht nur den Körper, sondern auch den Geist anregt: Um ihr Gedächtnis zu stärken, flochten sie sich Rosmarin-Zweige in die Haare und rieben ihre Schläfen mit dem Öl ein.
Zu Ehren der Götter räucherten die Griechen mit Rosmarin. Später gewann der Weihrauch an Bekanntheit und Popularität und verdrängte den Rosmarin fast völlig aus seiner Funktion als Opferpflanze.
Das ätherische Öl des Rosmarin regt das zentrale Nervensystem an und fördert die Durchblutung.


Rosskastanie

Obwohl die Rosskastanie erst in den Kräuterbüchern aus der Mitte des 16. Jahrhunderts Erwähnung findet, wurde sie doch schnell zum festen Bestandteil der Tierheilkunde und Humanmedizin.
Manche Menschen benutzten Kastanien auch als Amulette gegen die Gicht, wobei sie die braunen Samen entweder in der Hosentasche trugen oder unter die Bettmatratze legten.

Ursprünglich über ganz Europa verbreitet, zog sich die Rosskastanie in der letzten Eiszeit auf die Mittelgebirge Griechenlands, Mazedoniens und Albaniens zurück und überlebte dort. Erst vor rund 450 Jahren kehrte sie dann nach Mitteleuropa zurück. Der beliebte Baum, der vermutlich 300 Jahre alt werden kann, wächst also erst seit relativ kurzer Zeit wieder hier.

Verbreitet wurde die Rosskastanie unter anderem durch die Feldzüge der Osmanen, denn diese führten Kastaniensamen als Pferdefutter und als Medizin für die Tiere mit. Später wurden Rosskastanien bevorzugt auf Bierkellern gepflanzt. Weil sie nur flache Wurzeln bilden, störten sie die Kellergewölbe nicht. Außerdem sorgten sie mit ihren großen Blättern bei der Reifung und Lagerung des Bieres für zusätzliche Feuchtigkeit und Kühlung. Medizinisch hat sich die Rosskastanie in der Venentherapie weithin einen Namen gemacht.

 

Roter Sonnenhut (Echinacea)

Der bei uns vor allem als Heilpflanze bekannte Rote Sonnenhut stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde von den Indianern sowohl äußerlich zur Behandlung von schlecht heilenden Wunden, Entzündungen und Schlangenbissen aufgetragen, als auch innerlich zur Linderung verschiedener Krankheitssymptome angewandt.
In Deutschland war der Rote Sonnenhut Anfang dieses Jahrhunderts noch gar nicht bekannt. Erst in den zwanziger Jahren brachte der Arzt Dr. Gerhard Madaus die Echinacea purpurea als Saatgut nach Europa. Er baute die Arzneipflanze in eigenen Kulturen an und entwickelte ein Verfahren, den Saft aus den blühenden, oberirdischen Teilen der Heilpflanze zu pressen.


Salbei

"Kraut der Unsterblichkeit" nannte Paracelsus den Salbei. Gegen Entzündungen im Mund- und Rachenraum, gegen übermäßige Schweißproduktion und sogar gegen Vergesslichkeit soll der Salbei helfen.


"Salbei" ist vom Lateinischen "salvare" bzw. "salvus" hergeleitet. Die Eigenschaften der Pflanze stecken also schon im Namen: "salvare" bedeutet heilen oder retten, "salvus" gesund.

"Iss Salbei im Mai und Du wirst leben für immer und ewig", besagt ein englisches Sprichwort.
Dem Salbei wurde einst nachgesagt, er könne ewiges Leben bringen. Die Medizinschule von Salerno, die im Mittelalter medizinisches Wissen sammelte und mehrte, rühmte den Salbei in den höchsten Tönen:

„Cur moriatur homo cui Salvia cresit in horto? - Warum sollte ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?“


Der echte Salbei hat viele volkstümliche Namen: Unter anderem wurde die Pflanze als Zahnblatt, Edelsalbei, Schmale Sophie, Geschmackblatt oder Königssalbei bezeichnet.


Sanikel

Im Volksmund auchHeil aller Schäden, Bauchwehkraut, Heildolde, Zahnickel genannt,

wird dieses Doldengewächs angewendet bei Quetschungen, Prellungen, Milchschorf, Furunkel, Mykosen, allen "hässlich aussehenden, nicht heilende Wunden", Regeneration der Knochen, Bindegewebe und als Antiseptikum bei Entzündungen besonders der Schleimhaut.

Im Brauchtum galt Sanikel als Talisman für Streithanseln und Raufbolde. Dabei galt die Wirkung als so groß, das sie nach der Behandlung mit Sanikel gleich weiter streiten konnten.
Sanikel, eine uralte, traditionelle Heilpflanze, kann sich weltweit mit allen Wundheilkräutern messen, sicherlich unter den „Top drei“ dabei und ist deshalb zu Unrecht in Vergessenheit geraten.

 

Schafgarbe


Das "Bauchwehkräutl", wie es unsere österreichischen Nachbarn liebevoll nennen, wächst in ganz Europa bis zum Polarkreis an allen trockenen Wegrändern, auf Wiesen, Rasenplätzen und auf Äckern als Unkraut.

Bereits Gaius Plinius Secundus (23-79), römischer Beamter und Schriftsteller, der eine Enzyklopädie des Wissens seiner Zeit mit dem Hauptwerk Naturgeschichte schrieb, dokumentiert die Heilerfolge der Schafgarbe. Aus der griechischen Antike kennen wir den Centaur Cheiron, der die Wunde des Achilles mit Schafgarbe (Achilles millefolium) heilte.
Die heilige Hildegard von Bingen schrieb über das Kraut: "Wenn ein Mensch durch einen Unfall verwundet ist, soll man, nach Auswaschen der Wunde mit Wein, Schafgarbe leicht in Wasser kochen und das Wasser etwas ausdrücken und sie  so noch warm zart über den Verband binden, der auf der Wunde liegt, und so nimmt es der Wunde das Eitern und Geschwürigwerden und heilt die Wunde. ...."

Die Schafgarbe kam aufgrund der Beobachtung, dass Schafe bei Krankheit vermehrt Schafgarbenkraut fressen, zu ihrem Namen. Das Wort Garbe leitet sich von dem Mittelhochdeutschen Begriff „Garwe = Gesundmacher“ ab.
Schafgarbenkraut ist reich an ätherischen Ölen, Bitter- und Gerbstoffen, die für seine Wirkung verantwortlich sind. Es wird ähnlich wie Kamille angewendet.
 Schafgarbe wurde früher auch anstelle von Hopfen zum Bierbrauen verwendet.

 

Sheabaum

 

Seinen Namen erhielt der Sheabaum Ende des 18. Jahrhunderts vom schottischen Afrikareisenden Mungo Park.

In seiner zentralafrikanischen Heimat stellt der Sheabaum die wesentliche Quelle für Speise- und Hautpflegefett dar, die Früchte werden zudem gegessen.

Als heiligem Baum gebührt ihm besondere Beachtung: Die Ernte der Früchte wird deshalb durch ein altes Ritual geregelt, "Begu" genannt.

Während der Erntezeit werden die gesammelten, luftgetrockneten und von der Schale befreiten Nüsse in hölzernen Mörsern zu grobkörnigem Mehl zerstampft und anschließend nach einem Geheimrezept zu einer butterähnlichen Masse gekocht. Laut Tradition dürfen nur Frauen die Früchte des heiligen Baums der Savanne ernten.

In der heißen Sahara hat die Sheabutter eine lebenserhaltende Funktion: Die dortigen Menschen schützen mit ihr seit Jahrhunderten die Haut gegen den austrocknenden Wind. In Deutschland wurden Sheabutter-Produkte erstmals Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt.

 

Thymian

 

Schon die Ärzte der griechischen Antike, wie Hippokrates und Dioskurides, setzten das duftende Gewächs gegen Erkrankungen der Atemwege und insbesondere als auswurfförderndes Mittel ein. Der deutsche Arzt und Botaniker Leonhart Fuchs schrieb in seinem Kräuterbuch von 1543: "Thymian mit Honig gekocht und getrunken ist förderlich und nützlich denjenigen, die das Keuchen und das schwere Atmen haben." In früheren Zeiten nutzte man das Kraut auch bei Verdauungsproblemen und äußerlich bei Insektenstichen oder Kopf- und Gliederschmerzen.

Dass der Thymian eine alte Arznei- und Nutzpflanze ist, zeigt auch sein Name. Dieser leitet sich vom griechischen "thymiama" her, zu deutsch Räucherwerk. So nannte man auch den Weihrauch, der in den Tempeln den Göttern dargebracht wurde. Es handelt sich bei dieser Bezeichnung also um eine Anspielung auf den intensiven Duft, den das Kraut abgibt und der vom ätherischen Öl herrührt. Unter dem latinisierten Namen "herba thymiana" lernten unsere Vorfahren dann die Pflanze kennen, die Mönche aus dem Mittelmeerraum über die Alpen gebracht hatten. Daraus entstand der Name Thymian.

Für Ritter hatte das Gewächs symbolische Bedeutung: Als Zeichen für Mut und Kraft steckten die Hofdamen ihren Favoriten vor einem Turnier ein Thymian-Sträußchen an die Rüstung. Die Ursache für diesen Brauch liegt in dem griechischen Wort "Thymos", das "Mut" und "Kraft" bedeutet.

Wacholder

Im Mittelalter gehörte der Wacholder zu den wichtigsten Pflanzen in der Heilkunde!
Der Name Wacholder ist auf das deutsche Sprachgebiet beschränkt und tritt seit dem 15. Jahrhundert auf. Er ist aus der althochdeutschen Silbe 'wachal' abgeleitet, die so viel wie wach, munter, frisch, hier 'immergrün' bedeutet.
Der Wacholder wird auch als Räucherstrauch oder Weihrauchbaum bezeichnet, weil die Zweige und Zapfen beim Räuchern sehr aromatisch riechen.

Neben Hasel und Holunder hatte der Wacholder im Volksglauben die größte Bedeutung: "vor dem Holunder zieh’ den Hut, vor dem Wacholder geh’ in die Knie".

Als in der Dämmerung einzeln stehende Gestalt hat er vor allem in Heidegegenden die Phantasie der Menschen beflügelt. Er wird als Hüter an der Schwelle vom Leben zum Tod bis heute gerne an Grabstellen gepflanzt. Früher sollte ein Trank aus den "Beeren" die Gabe verleihen, in die Zukunft zu sehen. Brennenden Wacholderstämmen wurde Schutz vor Ansteckung in Zeiten der Pest zugeschrieben.
Auf Rügen steckte man beim Hausbau einen Wacholderzweig mit ins Fundament, damit der Teufel fernbliebe. In alten norddeutschen Fachwerkhäusern findet man bisweilen heute noch Einstreu von Wacholdernadeln unter den Erdgeschossdielen - zum Schutz vor Mäusen, für die dies ein fast unüberwindliches Hindernis darstellt.

Wallwurz

ist im Volksmund unter vielen Namen bekannt, so auch Waldwurz, Wundallheil, Beinwellwurzel, Beinbruchwurzel, Schadheilwurzel, Wundwurzel, Milchwurzel, Schneewurzel, Schmeerwurz,
Seit langer Zeit wird die Wallwurz (wallen = zusammenwachsen) als Heilmittel für gebrochene Knochen und bei Gewebeverletzungen mit großem Erfolg verwendet.

Schon Paracelsus erläuterte die Heilwirkung der Beinwellwurzel und auch Glaukus, ein Militärarzt der alten Römer bereitete bei Knochenbrüchen, Blutergüssen und Quetschungen eine Wurzelbreiauflage zur Behandlung der Verletzungen. Bevor die toxische Wirkung der Alkaloide nachgewiesen wurde, verwendete man den Beinwell auch bei offenen, eiternden Wunden, bei Geschwüren und offenen Entzündungsherden.